Zwei Wochen Galway


Leserinnen und Leser von Eileens Ende wissen, dass ich mich in der westirischen Stadt Galway gut auskenne. Sehr oft hatte ich die Gelegenheit, sie als Reisejournalistin zu erkunden, einmal durfte ich dort sogar den großen Krimiautor Ken Bruen kennenlernen, einen wunderbar bescheidenen Menschen, der mir viel Zeit schenkte und mich durch die Stadt seines Ermittlers Jack Taylor führte.

Ken Bruen 2013 vor dem großartigen Buchladen Charlie Byrne’s

Nun aber war ich in einer anderen beruflichen Funktion ganze zwei Wochen in der quirligen Stadt am Atlantik: Seit vielen, vielen Jahren gebe ich Englischkurse an der VHS-Dresden, und als Dozentin hat man die Möglichkeit, Erasmus-geförderte Forbildungen in einem EU-Land zu besuchen. Freie Ortswahl! Da gab es kein Zögern.

Die Schulbank drücken

Nun ist solch eine Fortbildung natürlich weder Urlaub noch Recherchereise, vielmehr drückt man von 9 bis 15 Uhr täglich die Schulbank – was in diesem Fall dank eines hervorragenden Lehrers eine im besten Sinne anstrengende und effektive Sache war – dafür aber bekommt man vom Alltagsleben sehr viel mehr mit als das sonst der Fall ist. Und an den Nachmittagen, den Abenden und am Wochenende blieb genug Zeit, Galway und Umgebung noch einmal ganz intensiv zu erkunden.

Schon wenige Kilometer außerhalb der Stadt gibt es die typischen Steinmauern samt sprießender Vegetation

Noch immer erinnere ich ich an meinen allerersten Aufenthalt in der Stadt. Es war nur ein Nachmittag, bevor es weiterging nach Dublin. Aber nach einmaligem Durchschlendern von Quai- und Shop-Street mit den vielen jungen Menschen und Straßenmusiker:innen an jeder Ecke war ich Galway verfallen.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Stadt in den vergangenen Jahren so beliebt geworden ist, dass es gerade auf dieser Hauptroute durch die Innenstadt mitunter schon zu voll wird – für mich persönlich zumindest. Aber dann hilft das schnelle Durchschreiten in Richtung Wasser, das in Galway überall ganz nah ist.

Die weite Mündung des Corrib in den Atlantik
Der Long Walk entlang der Mündung

Gut einen Kilometer weiter erreicht man, immer am Wasser entlang, den Celia Griffin Memorial Park, eine beeindruckende Erinnerung an die irische Hungersnot – dankenswerter Weise mit einem Hinweis auf all die heute hungernden Menschen samt klaren Aussagen, was helfen könnte.

Kurz darauf hat man dann auch schon Salthill erreicht, den Badeort westlich von Galway, mit einer drei Kilometer langen Promenade an den verschiedenen Stränden entlang. Und in einem Jahr wie diesem können selbst verfrorene Mitteleuropäerinnen dort im Atlantik schwimmen gehen. Irland gehört aktuell zu den Gewinnern der Klimakatastrophe …

Am westlichen Ende der Strandpromenade steht der berühmte Sprungturm. An Sommernachmittagen herrscht hier echte Volksbad-Stimmung.

Und zurück in der Stadt? Buchläden, natürlich! In Irland, dem Land mit den meisten Literaturnobelpreisträgern, wird ein Laden wie Charlie Byrne’s (oben auf dem Foto mit Ken Bruen) sogar vom Tourismusbüro und Stadtführern empfohlen – zu recht! Ich habe noch einen anderen Tipp: Den kleinen, außerhalb der Öffnungszeiten hinter einer Rollade verschwundenen Buch- und Musikladen Bell, Book and Candle auf der Claddagh-Seite der Stadt (das ehemalige Fischerviertel sollte ohnehin auch erkundet werden!) Da gibt es die vorwiegend gebrauchte Bücher, darunter jede Menge nachlässig aufeinander getürmte. »Nein, die sind noch nie runtergefallen«, beantwortet der nette Betreiber die Frage nach der Stabilität der Konstruktion. Um dann zu berichten, dass das Ganze mitnichten nur Deko ist. Die älteren Titel dort würden von Menschen nachgefragt wären, die lange nicht gelesen hätten, und sich irgendwann an Bücher aus ihrer Jugend erinnern. Was heißt: Er weiß, was sich dort verbirgt!

Nicht nur die Liebe zu Büchern (und zu Musik) ist typisch irisch, sondern auch diese Bereitschaft, jederzeit ins Gespräch zu kommen. Mit einer grundlegenden Freundlichkeit, die einfach nur gut tut. Das gibt’s in Galway in den kleinen Geschäften, das gibt’s aber auch, und natürlich besonders, in den legendären Pubs. Direkt neben dem Bell, Book and Candle zum Beispiel lädt Crane’s Bar u.a. regelmäßig zu Livemusik; wer all die empfehlenswerten »Watering holes« der Stadt besuchen will, der muss noch länger als zwei Wochen in Galway bleiben – und sollte über eine stabile Gesundheit verfügen.

In diesem Sinne: Sláinte!

Es gibt etwas Neues auf diesem Bog: Ich bin von dem österreichischen Reiseveranstalter ASI kontaktiert worden. Offenbar gefielen dem Geschäftsführer meine Beiträge, sodass er mir eine Zusammenarbeit angeboten hat. Da die Reisen des Unternehmens mir gut und mit Sachverstand organisiert zu sein scheinen, bin ich darauf eingegangen. In Zukunft werdet ihr also ab und zu eingeklinkt in die Blog-Posts einen Link zu einer ASI-Reise in die vorher beschriebene Region finden – so wie hier zu einer geführten Kleingruppen-Wanderreise Connemara, Burren und Galway. Link auf die ASI-Seite Bei Buchungen über diesen Link erhalte ich eine Provision.


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