Der andere Phil


Vom »Phil« war hier immer mal wieder die Rede – vom »Philharmonic Public House«, der wunderschönen Kneipe. Die hat ihren Namen von der schräg gegenüber stehenden »Philharmonic Hall«, welche durchaus ein architektonisches Prachstück des Art déco ist, auch wenn sie leider auf meinen Fotos stets nur wie ein hässlicher Bunker aussieht!

Das »Bekenntnis zur Musik«

An der gleichen Stelle gab es bereits im 19. Jahrhundert eine Konzerthalle, die 1933 von einem Feuer zerstört wurde. Das neue Gebäude entstand unter Federführung von Herbert James Rowse, einem Liverpooler Architekten, der auch die prachtvollen Handelshäuser India Buildings am Strand realisierte. Nach der Eröffnung der Philharmonie im Juni 1939 schwärmte der Guardian von dem Gebäude als einem »Bekenntnis zur Musik, mit einem Saal von gewaltiger Größe, edlen Proportionen und modernster Ausstattung … bereit, seinen Platz unter den bedeutendsten Stätten der Musikkultur in diesem oder jedem anderen Land einzunehmen.«

Und so geschah es. Bis heute ist das Gebäude in erster Linie Spielstätte des Orchesters Royal Liverpool Philharmonic, ein Klangkörper der Superlative: Er ist das älteste, bis heute regelmäßig aktive Orchester Großbritanniens, der erste, der ein eigenes Plattenlabel gründete und trat bereits 1940 in Schulen auf und betrieb Nachwuchsarbeit auch für weniger privilegierte Kinder.

Auch Jazz, Pop, Rock – und Filme

Wenn weder die Liverpooler Philharmonie noch andere bedeutsame klassische Musiker:innen das Haus bespielen, stehen Größen des Jazz, des Pop oder auch des Rock auf der Bühne. Und wenn auch das während eines Liverpool-Aufenthalts nicht der Fall ist, oder es keine Tickets mehr gibt, oder der Star zu groß und der Eintritt entsprechend zu teuer ist, dann bleibt noch immer eine der Kinovorführungen.

Asche auf unsere Häupter, auch wir hatten es in all den Jahren bei unzähligen Besuchen in der Stadt nie weiter als bis in die Eingangshalle geschafft. Aber voriges Jahr dann zu dem Film Becoming Led Zeppelin! Ein echtes Kinoerlebnis längst vergangener Tage, bei dem ein Klavierspieler auf das Kulturerlebnis einstimmt (Nein, der gab nicht „Starway zu Heaven« zum Besten), und es eine Pause gibt, in der man unbedingt die Bar aufsuchen sollte, die ebenso sehenswert ist wie das gesamte Gebäude.

Das aktuelle Programm gibt es unter https://www.liverpoolphil.com/


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